Die Quantitative Reduktionemethode (QRM) wurde von Daten aus der Schweiz (Unfälle, GPS-Tracks) abgeleitet. Zur Validierung machte es Sinn einen ganz anderen Datensatz zu verwenden. Auf Lawis.at werden Lawinenereignisse des ganzen Alpenraumes erfasst. Es handelt sich dabei in der Regel um Unfälle mit Todesfolge. Es wurden alle Lawinenunfälle der Ostalpen (537) für die eine Gefahrenstufe vorliegt ausgewählt. Anschliessend wurde für alle diese Ereignisse die QRM angewandt:
Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie sich die Unfälle auf die drei Risikokategorien verteilen. Dabei wird noch unterschieden, ob die Kernzone berücksichtigt werden soll oder nicht. Da Lawis die Kernzone nicht erfasst, muss mit Annahmen gearbeitet werden. Gemäss einer Arbeit von Jan Mersch und Wolfgang Behr (2017) finden 90.7% der Unfälle innerhalb der Kernzone statt. Dies ist nebenbei bemerkt ein Qualitätsmerkmal der entsprechenden Lawinenbulletins. Wir gehen nun von einem Worst-Case-Szenario aus, nämlich es fänden nur 80% der Unfälle innerhalb der Kernzone statt. Bei allen anderen Unfällen gilt die 1-Stufen-Regel, d.h. wir müssen annehmen, dass die "tatsächliche" Gefahrenstufe um eins tiefer lag. Wir müssen nun bei jedem fünften Unfall die Gefahrenstufe um eins absenken. Richtiger ist es jedoch, wenn wir bei allen Unfällen den Wert 0.2 von der Gefahrenstufe abziehen.
| Risiko-Kategorie | Sollwerte | Kernzone unberücksichtigt (0.0) | Kernzone berücksichtigt (0.2) |
|---|---|---|---|
| Grün (tiefes Risiko) | 20% | 12.66% (68) | 17.69% (95) |
| Orange (erhöhtes Risiko) | 20% | 16.01% (86) | 21.42% (115) |
| Rot (hohes Risiko) | 60% | 71.32% (383) | 60.89% (327) |
Die Präventionswerte der letzten Kolonne (Kernzone berücksichtigt) stimmen sehr gut mit den Sollwerten der QRM überein. Die zweitletzte Kolonne (Kernzone unberücksichtigt) zeigt, dass die QRM sogar bessere Resultate liefert, als dass sie eigentlich müsste. So lassen sich in den Ostalpen bei Verzicht auf "rot" 71.32% der Unfälle verhindern statt der geforderten 60%. Dies mag damit zusammenhängen, dass Lawis eher gravierende Lawinenereignisse erfasst.
Mit der QRM ist zwar genau bekannt, wie viele Unfälle sich verhindern lassen, die QRM bezeichnet aber auch den dabei notwendigen Verzicht. Die Quantifizierung von diesem Versicht ist mit Unfalldaten alleine nicht zu bewerkstelligen. Dazu bräuchte es eine Sammlung an GPS-Tracks real unternommener Skitouren. Solche liegen für die Ostalpen jedoch zur Zeit noch nicht vor. Ziel dieser Validierung war es jedoch zu zeigen, dass sich mit einem ganz anderen Datensatz ähnliche Präventionswerte nachweisen lassen, wie mit dem Datensatz aus der Schweiz.