Dieser Artikel beschreibt das Verfahren, das zur Digitalisierung von Routen angewandt werden muss, wenn Routen mit Hilfe des Algorithmus von Skitourenguru bewertet werden sollen. Ziel ist eine hohe Homogenität in der Routen-Bewertung zu erreichen.
Es hat sich gezeigt, dass Routen, die nicht nach einem streng formalisierten Verfahren digitalisiert wurden, durch Skitourenguru uneinheitlich bewertet werden. Die Sensitivität der Bewertungen auf die Routenanlage ist grundsätzlich hoch. Dies kann auch nicht wirklich erstaunen, liegt doch gefährlich und ungefährlich in den Bergen oft sehr nahe bei einander. Es hat sich jedoch auch gezeigt, dass die Routen-Sensitivität nicht mehr sehr hoch ist, wenn mehrere Experten nach bestem Wissen und Gewissen einen Satz von Routen nach einem streng formalisieren Verfahren digitalisieren. Mehr zum Thema unter Routensensitivität.
Alle Personen, die in der Digitalisierung involviert werden, müssen folgende Skills mitbringen:
Eine der wichtigen Voraussetzungen ist ein Live-Abgleich zwischen allen Personen, die Routen digitalisieren. Jede Person, die neu in die Thematik eingearbeitet wird, muss zwingend eine "Schulung" durchlaufen. Diese umfasst folgende Punkte:
Die Digitalisierung sollte an einem GIS stattfinden. Es kann das Open-Source GIS namens QGIS empfohlen werden. Die anschliessend aufgeführten Swisstopo-Layers können in QGIS mit Hilfe eines WMTS/WMS-Layers eingeblendet werden:
Menu: Layer / Add Layer / Add WMS WMTS Layer..
Anschliessend muss mit New eine neue WMS connection mit den folgenden Daten erstellt werden.

Sobald die WMS connection erstellt wurde, kann sie mit Connect verbunden werden. Es erscheint eine lange Liste von möglichen Layers. Mit Hilfe von Add kann nun ein Layer hinzugefügt werden. Die 1:25'000er Karte bspw. hat dein folgenden Layernamen: ch.swisstopo.pixelkarte-farbe-pk25.noscale. Unter diesem Link findet sich eine Liste aller verfügbaren Layers.
Alternativ ist es auch möglich auf dem online Map-Server der Swisstopo Routen zu digitalisieren. Clicke auf Zeichnen & Messen auf der Karte, dann auf Linie.
Um die Digitalisierung auf hohem Qualitätsniveau durchführen zu können, kommen in der Schweiz die folgenden Daten zur Anwendung. Ausserhalb der Schweiz kommen äquivalente Daten zur Anwendung.
| Daten | Quelle | Typ | Auflösung | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Schweizer Landeskarten | Swisstopo | Raster |
1:25'000, 1:50'000, 1:100'000, 1:200'000, 1:400'000, 1:1'000'000, 1:2'000'000, 1:4'000'000 2 m / Pixel, 5 m / Pixel, 10 m / Pixel, 20 m / Pixel, 50 m / Pixel, 100 m / Pixel, 250 m / Pixel, 500 m / Pixel |
Um schnell zoomen zu können sei auf das Zoom-Abhängige Ein- bzw. Ausblenden von Layern in QGIS hingewiesen. |
| Rasterkarte swissTLM | Swisstopo | Raster | 0.5 m / Pixel | Diese Karte weist innerhalb der Felsen Höhenlinien auf und ist deshalb sehr wertvoll. |
| Schnee- und Skitouren | Swisstopo | Raster bzw. Vektor | 2 m / Pixel bzw. n.a. | |
| SwissImage | Swisstopo | Raster | 0.5 m / Pixel | Hochaufgelöstes Luftbild |
| Lawinengelände (ATHM) | Skitourenguru | Raster | 10 m | |
| Neigungskarte | Skitourenguru | Raster | 10 m | Eine Neigungskarte mit "kontinuierlichen" Werten. Durch eine geeignete Layer-Konfiguration können Kategorien gebildet und entsprechend eingefärbt werden. |
| GPS-Tracks | Skitourenguru | Vektor | n.a. | Hierbei handelt es sich nicht um von Hand gezeichneten GPS-Tracks, sondern um GPS-Tracks, die tatsächlich im Feld mit dem GPS aufgezeichnet wurden. |
Welche Routen sollen in den Katalog aufgenommen werden:
Bei der Digitalisierung müssen die unten stehenden Kriterien beachtet werden. Es versteht sich, dass diese Kriterien "weich" sind und nicht wirklich zu objektivieren sind.
Ein wichtiges Thema ist die Auflösung:
Die Validierung muss in den folgenden vier Schritten durchgeführt werden:
Ziel ist jede Route nochmals von Hand zu überprüfen und zu bestimmen, ob die unter Kapitel 3 (Digitalisierung) beschriebenen Kriterien eingehalten werden. Die visuelle Validierung darf nicht an demselben Tag stattfinden, wie die eigentliche Digitalisierung.
In diesem Schritt werden bei den folgenden 8 Lawinenbulletins mit Hilfe von Skitourenguru Zielbewertungen und Streckenbewertungen berechnet:
Im Zentrum stehen die Bulletins 1-6.
Zunächst müssen die Streckenbewertungen manuell gesichtet werden:
Bei diesem Schritt ist Vorsicht geboten. Es besteht die Gefahr "unkritisch" den Feedback der Streckenbewertungen in der Routenanlage zu berücksichtigen. Es ist deshalb notwendig mit der Streckenbewertung einen kritischen Umgang zu finden. Die Streckenbewertung mag zu 60-80 % korrekt sein, aber d.h. eben auch, dass sie zu 20-40 % "falsch" sein kann.
Nachdem die Zielbewertungen und Streckenbewertungen erneut gerechnet wurden, muss in einer Excel-Tabelle festgelegt werden, ob die Zielbewertungen stimmig oder unstimmig sind. Die Zielbewertungen müssen zu mindestens 90 % stimmig sein.
Bei diesem Schritt werden mit Hilfe des Algorithmus von Andreas Eisenhut Korridore berechnet. Eine nachträgliche Sichtung der Korridore kann Verbesserungspotential zu Tage fördern.
Der Algorithmus von Andreas Eisenhut legt eine sogenannte Optimalroute in den Korridor. Mit dieser Optimalroute lassen sich ebenfalls für obige 8 Lawinenbulletins Risiko-Indikatoren rechnen. Diese können nun mit den Risiko-Indikatoren der manuellen Routen verglichen werden. Alle Kombinationen aus Route/Lawinenbulletin, die eine grosse Abweichung aufweisen (mehr als 10 %) müssen nochmals bearbeitet werden.
Bei diesem Schritt geht es darum, dass der Routen-Verlauf von einer erfahrenen Person nochmals gesichtet wird. Die Sichtung ist umfassend, d.h. sie sollte die Kriterien des Kapitel 3 (Digitalisierung) berücksichtigen, aber auch die Resultate der Ziel- bzw. Streckenbewertungen.
Eine qualitativ hochwertige Routenanlage kann nur gewährleistet werden, wenn auf dem besten verfügbaren Datenmaterial digitalisiert wird:
Skitourenguru validiert zudem systematisch die Routenanlage, indem der Output von zwei Algorithmen (Skitourenguru und Korridore) verarbeitet wird.
Der SAC unterhält ein Redaktorennetz von Experten, die für spezifische Gebiete der Schweiz zuständig sind. Für Skitourenguru ist der Unterhalt eines derartigen Netzes leider nicht möglich. Skitourenguru erhält aber laufend Feedback aus der Comunity. Dieser wird gewöhnlich innerhalb von wenigen Tage in die Routenanlage eingearbeitet.
Der aktuelle Routensatz wurde abgesehen von ca. 50 Routen von einer einzigen Person digitalisiert. Eine hohe Homogenität hängt wesentlich davon ab, dass nicht zu viele Personen in die Digitalisierung involviert sind.