Viele Faktoren spielen zusammen: Stimmt das Lawinenbulletin? Wurde die Route optimal gelegt? Ist der Algorithmus genug ausdifferenziert? Gibt es Implementierungsfehler?
Das Grundproblem ist jedoch, dass unklar ist, was eine "richtige" bzw. "falsche" Bewertung ist. Die Auswertung einer Umfrage aus dem Winter 2015/16 deutet daraufhin, dass Skitourenguru einen Routensatz von 30 Routen bei 3 Lawinensituationen mindestens so gut bewertet, wie das beste Viertel einer Gruppe von ca. 30 erfahrenen Skitourengängern.
An dieser Stelle mag es Sinn machen, dass der Urheber von Skitourenguru seine eigene Einschätzung deklariert. Es muss unterschieden werden zwischen den Streckenbewertungen (Einzelabschnittbewertung) und den Zielbewertungen (Gesamtbewertungen über die ganze Route). Ein statistischer Effekt bewirkt, dass die Zielbewertungen zuverlässiger sind, als die Streckenbewertungen. Wenn man die Bewertungen in zwei Gruppen (stimmig, unstimmig) einteilt, ohne weiter differenzieren zu wollen, dann ist der Urheber von Skitourenguru nach der Sichtung von Tausenden von Bewertungen folgender subjektiver Ansicht:
Diese Zahlen gelten immer unter der Annahme, dass das Lawinenbulletin weitgehend korrekt ist. Zudem ist zu beachten, dass der Skitourenguru grundsätzlich defensiv bewertet. Im Mittelpunkt stehen nicht unbedingt die absoluten Bewertungen, sondern die Unterschiede zwischen den Routen. Wenn man den Algorithmus so kalibrieren würde, dass er weder offensiv noch defensiv ist, dann wären über 95 % der Zielbewertungen stimmig.
Wünschbar wäre natürlich hundertprozentige Stimmigkeit. Diese wird leider nie zu erreichen sein. Nichtsdestotrotz ist es natürlich das Ziel von Skitourenguru in den nächsten Jahre die Qualität der Resultate zu verbessern.
"Falsche" Resultate sind natürlich ein Problem. Die User werden potentiell aufs Glatteis geführt. Bei diesem Thema sind jedoch folgende Punkte zu beachten:
Die Sicherheitsabteilung hat die Resultate von Skitourenguru mit Hilfe einer Feldstudie validiert (siehe diese News)
Zum Thema "Spontanlawinen" zwei Antworten:
Eine Untersuchung von Lawinenunfällen mit Verletzungs- oder Todesfolge von Wintersportlern in der Schweiz der letzten 40 Jahre ergab, dass 82 % der Unfälle durch trockene und 18 % durch nasse Lawinen verursacht wurden (S. Harvey, H. Rhyner, J. Schweizer: Lawinenkunde, 2012. S. 30). Nassschneelawinen stehen also nicht unbedingt im Zentrum, aber der Anteil am Unfallgeschehen ist dennoch relevant.
Gemäss aktueller Lawinendoktrin sei die GRM bei Nassschnee-Situationen und Triebschnee-Situationen wenig bzw. nur teils nützlich. Stimmt das wirklich? Lawinen ergeben sich aus einer Kombination von "Schnee" und "Gelände". Die GRM reduziert den "Schnee" auf die Gefahrenstufe und das "Gelände" auf die Neigung. Dies ist zugegebenermassen eine fast schon unverschämte Vereinfachung. Die offizielle Lawinendoktrin führt eine zusätzliche Unschärfe ein, indem die Gültigkeit der GRM je nach Lawinenproblem weiter relativiert wird. Das Problem liegt hier in der exakten Bestimmung des Lawinenproblems. Das reale Gelände kennt eben nicht nur vier sauber voneinander getrennte Lawinenprobleme, sondern tausende von Mischformen. Hinzu kommt, dass die unterschiedlichsten Lawinenprobleme in einem Flickenteppich nahe beieinander und übereinander liegen können. Grundsätzlich gilt aber unabhängig vom Lawinenproblem folgende Binsenweisheit: Je steiler, desto gefährlicher, je höher die Gefahrenstufe, desto gefährlicher. So lange die GRM als Risiko-Reduktionsmethode und nicht als Prognosemittel verwendet wird, kann sie ihre Aufgabe also in jedem Fall wahrnehmen: Die GRM muss das Risiko nicht ausschliessen, es genügt, wenn die GRM das Risiko reduzieren kann.
Auch bei Nassschnee kann die GRM das Risiko reduzieren! Ein steiler Nassschnee-Hang bei hoher Gefahrenstufe ist gefährlicher, als ein flacher Nassschnee-Hang bei tiefer Gefahrenstufe.
Nassschnee-Situationen sind relativ einfach zu erkennen. Kommt hinzu, dass auf Grund zwei einfacher Verhaltensregeln eine gute Antwort zur Verfügung steht:
Gemäss aktueller Lawinendoktrin sei die GRM bei Nassschnee-Situationen und Triebschnee-Situationen wenig bzw. nur teils nützlich. Stimmt das wirklich? Lawinen ergeben sich aus einer Kombination von "Schnee" und "Gelände". Die GRM reduziert den "Schnee" auf die Gefahrenstufe und das "Gelände" auf die Neigung. Dies ist zugegebenermassen eine fast schon unverschämte Vereinfachung. Die offizielle Lawinendoktrin führt eine zusätzliche Unschärfe ein, indem die Gültigkeit je nach Lawinenproblem weiter relativiert wird. Das Problem liegt hier in der exakten Bestimmung des Lawinenproblems. Das reale Gelände kennt eben nicht nur vier sauber voneinander getrennte Lawinenprobleme, sondern tausende von Mischformen. Hinzu kommt, dass die unterschiedlichsten Lawinenprobleme in einem Flickenteppich nahe beieinander und übereinander liegen können. Grundsätzlich gilt aber unabhängig vom Lawinenproblem folgende Binsenweisheit: Je steiler, desto gefährlicher, je höher die Gefahrenstufe, desto gefährlicher. So lange die GRM als Risiko-Reduktionsmethode und nicht als Prognosemittel verwendet wird, kann sie ihre Aufgabe also in jedem Fall wahrnehmen: Die GRM muss das Risiko nicht ausschliessen, es genügt, wenn die GRM das Risiko reduzieren kann.
Worauf beruht nun die Behauptung, dass die GRM bei Triebschnee nur teils nützlich sei? Ein Triebschnee-Hang kann typischerweise bereits bei geringeren Neigungen ausgelöst werden, als ein Neuschnee-Hang oder ein Altschnee-Hang. Triebschnee-Hänge sind manchmal extrem labil und können schon bei Neigungen unter 25° brechen. Die GRM ist also nicht grundsätzlich falsch, sondern die Trennlinien zwischen grün/orange bzw. orange/rot müssten weiter unten liegen. Wo genau, weiss kein Mensch. Dies hat einen einfachen Grund: Im realen Gelände mischen sich die Lawinenprobleme. Nicht nur gibt es Zwischenformen, sondern die Schneedecke ist in horizontaler und vertikaler Richtung höchst heterogen. Das Problem liegt also in der genauen Bestimmung des aktuellen Lawinenproblems und der daraus folgenden Implikationen.
Die Lawinenkunde rät Triebschnee-Felder grossräumig zu umgehen... Ein Triebschnee-Feld kann durch eine 5 cm hohe Neuschneedecke versteckt werden. Ein Schneeprofil könnte hier helfen, aber wer garantiert, dass die Probe an richtiger Stelle aufgenommen wird. Sind wir wirklich in der Lage ein Schneeprofil richtig zu interpretieren? Es entsteht ein gefährlicher Interpretations-Spielraum, der schnell zu Missbrauch führen kann. Bei hoher Unschärfe ist es eine bessere Strategie sich auf einfache, aber klare Methoden zu berufen, als der Willkür Tür und Tor zu öffnen.
Die Lawinenkunde rät Triebschnee-Felder grossräumig zu umgehen... Liegt das Triebschnee-Feld in einem Lawinenhang, dann würde ein "rationaler Entscheidungsträger" die Stelle unabhängig vom Lawinenproblem so oder so umgehen. Die Aufforderung "Triebschnee-Felder zu umgehen ist in etwa so hilfreich, wie die Aufforderung "Gefahren zu vermeiden".
Die Lawinenwarndienste (LWD's) widmen dem Triebschnee grosse Aufmerksamkeit. Auf Grund eines sehr aufwändigen Beobachter- und Messstationen-Netzwerks haben sie uns Schneesportlern immer eine Nase voraus. Auch wenn die Ergebnisse der LWD's nicht ohne weiteres auf unseren Einzelhang übertragen werden können, basieren sie doch immerhin auf hunderten von Schneeprofilen und auf einer Schnee-Historie, die den ganzen Winter umfasst. Bei Triebschnee-Situationen besteht gute Aussicht, dass die Gefahr in der Gefahrenstufe "eingepreist" wird. Auch bei Triebschnee kann die GRM das Risiko reduzieren! Ein steiler Triebschnee-Hang bei hoher Gefahrenstufe ist gefährlicher, als ein flacher Triebschnee-Hang bei tiefer Gefahrenstufe.
Jede Reduktionsmethode erzwingt die Verschneidung von Geländedaten mit dem Lawinenbulletin. Man muss sich bewusst sein, dass hier Rasterdaten mit sehr unterschiedlichen Auflösungen und Unsicherheiten verknüpft werden. Die Geländedaten sind sehr hoch aufgelöst (Auflösung bspw. 10 m) und relativ sicher. Die Lawinen-Gefahrenkarte ist hoch generalisiert (Auflösung im Bereich von mehreren Kilometern) und relativ unsicher. Diese Verknüpfung ist nicht unproblematisch, aber notwendig! Es sei daran erinnert, dass "Strategische Entscheidungsmethoden" dazu dienen "optimale Entscheidungen" zu treffen und nicht zu verwechseln sind mit einer analytischen Einzelhangbeurteilung. Mehr zur Zulässigkeit dieser Verschneidung findest du unter Thomas Bayes geht auf Skitour.