Wie wichtig ist die Hangneigung für das Lawinenrisiko. Zu dieser Frage wurde ausführlich diskutiert und publiziert. Das SLF sammelt seit Jahrzehnten Daten zu Lawinenunfällen. Auswertungen dieser Daten zeigen, dass auf den Anrissgebieten von Unfall-Lawinen Neigungen von 35°-40° am häufigsten vorkommen:
Dieser Befund lässt aufhorchen. Warum nimmt die Häufigkeit von Lawinenunfällen oberhalb von 40° wieder ab. In der Regel wird hier angefügt, dass über 40° steile Hänge bereits entladen sind. Folgende Grafik zeigt jedoch, dass ein weiterer Grund ebenfalls einen Einfluss hat: Die Begehungshäufigkeit oberhalb von 40° nimmt stark ab. Wenig Verkehrsaufkommen bedeutet auch wenig Unfälle.

Obige Grafik zeigt drei Kurven:
Die gestrichelten Linien zeigen die Rohdaten. Die durchgezogenen Linien ergeben sich durch eine Kernel-Glättung. Diese ist notwendig, um die Kurven dividieren zu können. Alle drei Kurven wurden so normalisiert, dass die durchschnittliche Häufigkeit bei 1 zu liegen kommt. D.h. alle drei Kurven weisen dieselbe Fläche auf, sie sind in vertikaler Richtung jedoch nicht direkt vergleichbar.
Im Bereich zwischen 25° und 45° nimmt das Lawinenrisko massiv zu. Insbesonere im zwischen 37° und 41° steigt das Risiko nochmals stark an. D.h. je steiler desto risikoreicher. Oberhalb von 45° nimmt das Lawinenrisiko nur langsam ab. Das ist jedoch wenig relevant, denn solches Gelände suchen wir nur äusserst selten auf. Die Auswertung zeigt, dass Daten zu Lawinen grundsätzlich immer in Relation zur Begehungshäufigkeit gesetzt werden müssen. Verteilungen, die nur Daten zu Lawinen berücksichtigen, werden der Sache nicht gerecht. Namentlich gilt dies auch, wenn Neigungsverteilungen bei unterschiedlichen Gefahrenstufen verglichen werden.