Gemäss SAC sind 46% der Bergnotfälle auf Stürze bzw. Abstürze zurückzuführen. Grösstenteils finden diese bei Wanderungen bzw. Bergwanderungen statt. Auf Basis bereits vorhandener Expertise bezüglich Absturz-Konsequenzen auf Skitouren und inspiriert durch das Projekt Digiway hat Skitourenguru einen eigenen Algorithmus zum Absturzrisiko auf Wegen entwickelt.
Skitourenguru zeigt in diesem Layer die Wege von OpenStreetMap (OSM) sowie die Wege der amtlichen Kartenintitute an. Dabei wird der Wegverlauf je nach Absturzrisiko mit einer der folgenden vier Farben eingefärbt:
| Absturzrisiko | Bedeutung | Anforderungen |
|---|---|---|
| Gering | Geringes Absturzrisiko: Auf diesen Wegen besteht kaum ein Absturzrisiko. | Keine besonderen Anforderungen an Bewegungstechnik und Trittsicherheit; keine ausgesetzten und absturzgefährdeten Stellen; gute Grundlagenfitness; einfache Orientierung. |
| Mässig | Mässiges Absturzrisiko: Abstürze sind möglich und können zu Verletzungen führen. | Trittsicherheit auf unebenem und felsigem Gelände; einige steile und ausgesetzte Passagen möglich; keine Höhenangst; gute Fitness und konditionelle Fähigkeiten; sichere Orientierung; Erfahrung beim Bergwandern. |
| Hoch | Hohes Absturzrisiko: Abstürze können zu schweren Verletzungen führen. | Sehr gute Trittsicherheit in jedem Gelände; schmale Steige und steiles Gelände mit ausgesetzten Passagen; ausgeprägte Schwindelfreiheit; sehr gute Fitness und konditionelle Fähigkeiten; sichere Orientierung; Erfahrung beim Bergwandern in alpinem Gelände. |
| Sehr hoch | Sehr hohes Absturzrisiko: Ein Absturz endet mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich. | Ausgezeichnete Trittsicherheit in jedem Gelände; häufig schmale Steige, steiles Gelände und längere ausgesetzte Passagen; sehr ausgeprägte Schwindelfreiheit; sehr gute Fitness und konditionelle Fähigkeiten auch unter widrigen Bedingungen; ausgezeichnete Orientierung; langjährige Erfahrung beim Bergwandern in alpinem Gelände. |
Bei alpinen Bergwanderungen steigen die Anforderungen und das Absturzrisiko mit der Schwierigkeit von Weg und Gelände deutlich an. Um eine Tour möglichst sicher durchführen und das Absturzrisiko auch auf Wegen mit hohem und sehr hohem Absturzrisiko minimieren zu können, sind folgende Fähigkeiten wichtig:
In einem spannenden EUREGIO-Projekt (Digiway) wurde eine systematische Gegenüberstellung der wichtigsten Klassifikationen für Wander- und Bergwege im Projektgebiet Tirol–Südtirol–Trentino erarbeitet. Dabei wurden zusätzlich weitere Klassifikationen aus der Schweiz und Österreich einbezogen. Enthalten ist auch eine sogenannte Ausgesetztheitskarte (Digiway) .
Skitourenguru verwendet die Farben der Legende von Digiway, verfolgt aber ansonsten einen ganz anderen Ansatz. Ausgangspunkt ist die Karte zum Absturzrisiko von Skitourenguru. Wobei hier eine spezielle Version der Karte für den Sommer berechnet wurde. In einem virtuellen Fallexperiment wird die Wahrscheinlichkeit eines Absturzes und dessen Konsequenzen abgeschätzt:
Das Absturzrisiko ergibt sich somit durch die folgende Formel:
wobei:
In Bezug auf die Bewaldung wird eine Annahme getroffen. Offener Wald (bis 60% Walddichte) hat keinen Einfluss auf das Absturzrisiko. Ab 60% Walddichte entfaltet der Wald eine zunehmende Schutzwirkung, d.h. das Absturzrisiko sinkt linear ab. Die folgende Grafik zeigt, wie der Modifikator von der Walddichte abhängt:
Zum Schluss wird das Absturzrisiko mit Hilfe von drei Schwellwerten in die vier Kategorien eingeteilt. Um das direkte Verletzungsrisiko abzubilden wird zudem geprüft, ob die Neigung auf dem Weg über 35° liegt. Ist dies der Fall, so wird das Absturzrisiko mindestens auf die Stufe "mässig" (gelb) gesetzt. Die Idee dahinter ist folgende: Auf einer steilen Wegpassage kann es bei einem Sturz (Sturz, nicht Absturz!) auch dann zu Verletzungen kommen, wenn es sich um einen Ort handelt bei dem man nicht von einer eigentlichen Absturzgefahr sprechen würde.
Es gibt weitere Unterschiede zum EUREGIO-Projekt (Digiway):
Stelle sicher, dass der gewählte Weg deinen Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. Gelbe und insbesondere orange sowie rote Abschnitte erfordern Trittsicherheit, Aufmerksamkeit und alpine Erfahrung. Das markierte Absturzrisiko ist als Hinweis zu verstehen, der Unsicherheiten unterliegt:
Es gibt weitere Kriterien, die eher dem Schwierigkeitsgrad zuzuordnen sind. Siehe bspw. die Kriterien der SAC-Wanderskala. Auch diese Kriterien werden beim Absturzrisiko nicht berücksichtigt:
Achtung: Die Karten, Routen und Overlays können Fehler enthalten. Eine Haftung für Unfälle und Schäden in Zusammenhang mit der Nutzung der angebotenen Daten wird ausgeschlossen. Die Planung und Durchführung deiner Bergsportaktivitäten erfolgt auf dein eigenes Risiko und in deiner alleinigen Verantwortung.
Das Ziel von OSM ist die kartographische Erfassung der Erde durch die Benutzer:innen. Währenddem Herausgeber:innen amtlicher Karten auf geschulte Kartograph:innen zurückgreifen können, wird die Karte von OSM durch rund eine Million Menschen gepflegt. Dementsprechend heterogen ist die Qualität des Inhaltes.
Skitourenguru stützt sich beim Filtern der Daten auf das Tag highway=path. Wege mit schlechter Sichtbarkeit werden nicht angezeigt, dafür werden auch bestimmte Strassen des Typs highway=track angezeigt.
highway='bridleway' OR highway='steps' OR highway='footway' OR (highway='path' AND ((trail_visibility IS NULL) OR trail_visibility!='excellent' OR trail_visibility!='good' OR trail_visibility!='intermediate')) OR (highway='track' AND tracktype='grade5')
Dieses Wegnetz ist 621'000 km lang und geht somit 15 mal um die Erde. Beachte, dass die in diesem Layer dargestellten Wege unvollständig, ungenau oder falsch sein können.
Amtliche Karteninstitute publizieren digitale Landschaftsmodelle. Darin enthalten sind Verkehrswege mit der Untergruppe der Fusswege. Solche Wege werden auf topographischen Karten in der Regel als schwarz gestichelte Linien dargestellt. Skitourenguru lädt die folgenden Landschaftsmodelle herunter, extrahiert die Wegnetze, schneidet sie an den Grenzen und fügt sie zusammen:
Dieses Wegnetz ist 769'000 km lang und geht somit 19 mal um die Erde. Beachte, dass die in diesem Layer dargestellten Wege unvollständig, ungenau oder falsch sein können.
Der Algorithmus basiert auf einer virtuellen Abbildung der Realität. Die Realität ist immer komplexer. Der Fokus liegt auf einer Problematik nämlich auf dem Sturz bzw. Absturz. Während der angewandte Algorithmus durchaus in der Lage ist die grundsätzliche Charakteristik des Ortes zu erfassen, so ist es nicht möglich die lokalen Gegebenheiten des Weges korrekt abzubilden. "Falsche Positive" (Orte die rot sind aber eher grün sein müssten) und "falsche Negative" (Orte die grün sind aber eher rot sein müssten) liegen also in der Natur der Sache.
Ja es gibt Höhenmodelle mit einer echten Auflösung von 50 cm. So lange es nicht zuverlässige Höhenmodelle der Auflösung 5-10 cm gibt, kann jedoch die reale Beschaffenheit des Weges und der Sturzbahn sowieso nicht bestimmt werden. Letztendlich geht es deshalb "nur" darum die wesentliche Charakteristik in der Umgebung des Weges und auf der Sturzbahn zu bestimmen. Dies gelingt bereits mit Höhenmodellen der Auflösung 2 m bis 10 m.
Pauschale Urteile zur Qualität der Wegnetze (OSM und amtliche Daten) werden der Sache nicht gerecht. Karten haben ganz grundsätzlich ein Problem mit der Qualität. Schliesslich stellen sie nur ein stark vereinfachtes, generalisiertes Abbild der Realität dar. Es ist daher in der Regel nicht schwierig auf Karten Fehler zu finden. Auf Grund von Einzelfällen auf die Qualität eines ganzen Werkes zu schliessen ist wenig sinnvoll.
Die Arbeitsweisen von OSM und der amtlichen Karteninstitute haben jeweils Vor- und Nachteile. Ein Nachteil von OSM liegt in der hohen Heterogenität. Ein Gebiet kann vollständig und genau erfasst sein, ein anderes Gebiet hingegen führt ein Mauerblümchendasein. Die Qualität der amtlichen Wege unterscheidet sich stark von Land zu Land. Ganz grundsätzlich haben die amtlichen Karteninstitute Schwierigkeiten das Wegnetz vollständig und aktuell zu halten. Ein Vorteil von OSM liegt darin, dass die Endnutzer:innen die Karte jederzeit korrigieren können. Gerade in Italien sind die Wegevon OSM oft sehr nützlich. OSM hat jedoch im ganzen Alpenraum das Potential auf interessante Möglichkeiten hinzuweisen. Wie die Realität dann wirklich aussieht, lässt sich immer erst im Feld bestimmen.
Wenn Informationen unsicher sind, empfiehlt sich der Vergleich von mehreren Quellen. Aus diesem Grunde färbt Skitourenguru zwei Wegnetze ein: Das amtliche Wegnetz (GOV) und das Wegnetz von OpenStreetMap (OSM). Tipp: Vergleiche kritisch diese zwei Wegnetze sowie dessen Einfärbung.
Nein, natürlich nicht. Alles hängt von deinen alpinistischen Fähigkeiten und deinen getroffenen Sicherheitsmassnahmen ab. Erfahrene Apninist:innen können solche Wegsegmente 'sicher' bewältigen.